Artikel verschlagwortet mit ‘kapitalismus’
Markt als Mittel zum nicht erklärten Zweck
Es ist ja so, dass die Ultraliberalos unter den Ma-Ma-Marktwirtschaft!-Fans gerne ab und zu darauf hinweisen, dass Landwirtschaft längst nicht mehr in Industrieländern betrieben werden sollte, wo die Produktion aufgrund der Standortfaktoren viel zu teuer ist und die Ressourcen für Rentableres einzusetzen wären.
Nahrungsmittelproduktion sei eher etwas für ärmere Länder, wo nicht viel anderes zu machen ist. Die Industrieländer können dann billig was zu essen kaufen und die armen Länder kriegen dafür Technologie und sowas.
Bekanntlich hören aber die Realpolitiker selten auf Radikale, sondern lieber auf ihr Bauchgefühl, dass da sagt: Wir wären ja schön blöd, unsere wichtigste Lebensgrundlagen zu kappen und abhängig vom Ausland zu sein. Lass uns vielmehr schauen, dass unsere Bauern fleissig produzieren und dass für den Fall der Fälle gesorgt ist.
Da aber der Markt doch eine Realität ist, die unabhängig von den Reden echter und falscher Marktideologen sagt, 1 kg mittelamerikanische Bananen kosten bei uns weniger als 1 kg Äpfel aus dem Nachbardorf, muss die eigene Landwirtschaft am Leben erhalten werden.
Und so kommt es, dass z.B. letztes Jahr die Industrienationen zusammen 350 Milliarden USD eingesetzt haben, um die Exporte ihrer eigenen Landwirtschaft zu verbilligen und so international marktfähig zu machen
Die Landwirtschaft in armen Ländern kann da nicht mithalten. Auf afrikanischen Märkten sind italienische Pelati und holländische Zwiebeln billiger als die gleichwertigen Produkte der einheimischen Landwirtschaft.
Afrikanische Erde ist ein zu teures Gut um Grundnahrungsmittel zu produzieren. Denn dort müssen – und hier beisst sich die Subventionsschlange in den Gläubigerschwanz – Devisen für die Bewirtschaftung der Schulden wachsen. Also Baumwolle, Kakao, Kaffee, und last but not least „Bio“(rotfl)-Diesel. Also alles was in der Tat in die Industrieländer verkauft werden kann, aber dort keineswegs zur Ernährung i.e.S. dient.
Nicht die reichen Länder kaufen also ihre Grundnahrungsmittel bei den armen Ländern. Vielmehr kaufen die armen Länder ihre Grundnahrungsmittel bei den reichen Länder, they must.
Dumm, dass die Preise im Moment etwas hoch sind.
Dummheiten in Grossbanken
…
Hans Geiger: „Ich glaube nicht, dass diese Position von 45 Milliarden im Subprime-Bereich dazu beigetragen hätte, Nummer Eins im Investment-Banking zu werden. Das ist ja gar keine Investment-Aktivität, sondern ein Hedge Fond. Man hat ja nicht riskante und probitable Geschäfte gemacht, sondern man hat einfach angelegt, in etwas, was man nicht verstanden hat. Das war kein Investment-Banking, das war ein Fehler in der Anlagepolitik.“
DRS 1: „Jetzt muss ich aber doch nochmals fragen. Sie sagen, da sei eine Grossbank, und die habe angelegt in etwas, was sie nicht verstanden hatten. Wie soll ich denn dies nennen, Dummheit?“
Hans Geiger: „Ja.“
DRS 1: „???“
Hans Geiger: „Ja, Dummheit. Ja!“
DRS 1: „Aber das darf doch nicht passieren in einer solchen grossen Bank!“
Hans Geiger: „Nein. Nein, das darf nicht passieren.“
…
Hans Geiger (http://www.hansgeiger.ch) ist Finance-Professor, arbeitete früher in der SKA / CS. Ausserdem war er 2007 für kurze Zeit Ständeratskandidat der SVP, bevor ihn die Partei zugunsten von U. Maurer zurückzog.
In der Samstagsrundschau von DRS äusserte er sich am 16. Februar zu der Bankenkrise.


